Frage und Antwort

Wann ist eine Psychotherapie ratsam?

Wer von seelischen Problemen geplagt wird und diese alleine nicht in den Griff bekommt, sollte sich ebenso wenig wie bei körperlichen Erkrankungen scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich die psychische Störung schon über längere Zeit hinzieht oder wenn sie sich mehr und mehr verschlimmert. Voraussetzung ist allerdings, dass der Betroffene ernsthaft dazu bereit ist, sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen und an deren Beseitigung mit dem Psychotherapeuten zusammen zu arbeiten. Damit eine ambulant durchgeführte Psychotherapie erfolgreich durchgeführt werden kann, muss beim Patienten ein Mindestmaß an psychischer Stabilität und Belastbarkeit noch gegeben sein. Andernfalls kann eine vorgeschaltete stationäre Psychotherapie von Vorteil oder gar unumgänglich sein (z.B. bei Suizidgefahr).

Wer ist was? – Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut

Drei Begriffe, die immer wieder verwechselt werden: Wenn Menschen bei seelischen Erkrankungen Hilfe suchen, sind sie oft ratlos, an wen sie sich am besten wenden können. Die folgenden Begriffserläuterungen sollen dabei eine Orientierungshilfe bieten:

Der Psychiater

Ein Psychiater ist ein Facharzt für seelische Erkrankungen und Störungen. Dabei geht es einerseits um ein psychologisches Verständnis menschlichen Erlebens und Verhaltens, andererseits aber auch um eine somatische Betrachtung von ursächlich körperlichen Erkrankungen (z.B. des Gehirns), die sich auf das seelische Erleben des Patienten auswirken können. In diesem Fall werden dann sowohl medizinische Diagnostik als auch somatische Behandlung mit einbezogen. Weiterhin können schwere körperliche Erkrankungen sekundär psychische Auswirkungen nach sich ziehen, z.B. depressive Reaktionen oder Angstsymptome in Folge einer Krebserkrankung, was eine begleitende psychiatrische Betreuung notwendig machen kann.
Neben der psychischen und der somatischen Dimension muss zudem noch die soziale Dimension mit einbezogen werden, da der Mensch sowohl in seiner individuellen Gegebenheit als auch in seiner Bezogenheit auf ein Du, ein soziales Umfeld, zu verstehen ist.
Somit bestimmen die psychische, die somatische und die soziale Ebene das psychiatrische Verständnis seelischer Erkrankungen.
Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang in der psychosomatischen Medizin, wo Interaktionen zwischen Seelischem und Körperlichem untersucht werden, körperliche Erkrankungen in ihrer seelischen Mitbedingtheit und in ihren psychosozialen Auswirkungen betrachtet werden, d.h. der Mensch wird hier als leib-seelische Ganzheit verstanden.
Im Vordergrund des Kontaktes zwischen Psychiater und Patient steht der Dialog, der zugleich eine objektivierende und psychodynamisch verstehende Ebene beinhaltet. In der Beziehungsherstellung zum Patienten geht es um den schrittweisen Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, um langfristig ein stabiles Arbeitsbündnis herzustellen, in dem der Patient sich gehalten und gestützt fühlen kann.
In Klinik und Praxis befasst sich der Psychiater hauptsächlich mit Erkennung und Behandlung von psychischen Erkrankungen (Neurosen, endogenen und exogenen Psychosen, Persönlichkeitsstörungen), Suchtkrankheiten, Demenzentwicklungen und psychischen Störungen des Alters (Gerontopsychiatrie). Dabei kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden zum Einsatz: Pharmakotherapie, Psychotherapie, Soziotherapie.
Mit der Entwicklung der Psychiatrie erfolgte eine zunehmende Aufgliederung in Teilgebiete: Psychopathologie, forensische Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Pharmakopsychiatrie, Psychosomatik, Psychohygiene, Psychotherapie und Psychoanalyse.
Nach erfolgter medizinischer Grundausbildung und Absolvierung des Staatsexamens, umfasst eine Facharztausbildung zum Psychiater weitere vier Ausbildungsjahre, wobei drei Jahre auf die klinisch-psychiatrische Ausbildung entfallen, ein Jahr auf eine stationäre neurologische Ausbildung.
Erst eine psychotherapeutische Zusatzausbildung berechtigt einen Psychiater oder einen anderen Arzt, auch Psychotherapie auszuüben und neben der Facharztbezeichnung „Psychiater“ die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“, „Arzt für psychotherapeutische Medizin“ oder „Psychoanalyse“ zu führen. Ein so ausgebildeter Arzt wird als „ärztlicher Psychotherapeut“ bezeichnet.

Der Psychologe

Die Berufsbezeichnung „Psychologe“ darf nur von Personen geführt werden, die über den Abschluss eines Hochschulstudiums in Psychologie verfügen. Während des Hauptstudiums kann sich der Psychologe auf die Schwerpunkte klinische Psychologie und psychologische Behandlungsmethoden spezialisieren. Dabei werden Kenntnisse über die seelisch-körperliche Gesundheit und Krankheit sowie Grundlagen der wissenschaftlichen Psychotherapie erarbeitet. Nach Abschluss des Psychologiestudiums kann der Psychologe eine mehrjährige Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten / Psychoanalytiker absolvieren und damit die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten. Ein psychologischer Psychotherapeut unterstützt den Patienten mit psychologischen Mitteln dabei, die psychische Erkrankung durch eine bewusste Auseinandersetzung mit ihren Ursachen und/oder durch gezieltes Einüben neuer Verhaltensweisen zu überwinden. Falls eine organische Erkrankung mitbehandelt werden muss, oder wenn bei einer psychischen Erkrankung eine Kombination von psychologischer und medikamentöser Therapie erforderlich ist, arbeitet der psychologische Psychotherapeut mit Ärzten zusammen.

Der Psychotherapeut

Grundsätzlich kann ein „Psychotherapeut“ ein Arzt, ein Psychologe oder ein (Sozial-)Pädagoge sein, der neben seinem Hochschulstudium eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten absolviert hat.
Psychotherapeuten, die über eine Zulassung für die gesetzlichen Krankenkassen verfügen, müssen zudem eine Ausbildung und berufliche Erfahrung nachweisen, die den Richtlinien der Ärztekammer entspricht. Diese erkennt bisher ausschließlich tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Verfahren als wissenschaftlich an.

Wie finde ich einen qualifiziert ausgebildeten Psychotherapeuten?

Da der Titel „Psychotherapeut“ nicht geschützt ist und für den Laien nicht ersichtlich ist, wer sich hinter diesem Titel verbirgt, wurden inzwischen Ausbildungsrichtlinien von der Ärztekammer festgelegt:
Den Titel „ärztlicher Psychotherapeut“ darf nur führen, wer nach einem Hochschulstudium der Medizin eine Approbation zur Ausübung seines Arztberufes erworben hat, ausreichend Berufspraxis mitbringt ( z.B. Facharzt für…) und über eine von der Ärztekammer anerkannte Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten/ Psychoanalytiker verfügt.
Genauso muss ein „psychologischer Psychotherapeut“ über ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Psychologie (Abschluss: Diplom) und eine anschließende Zusatzqualifikation mit staatlicher Anerkennung (Approbation) verfügen, um den Titel Psychologischer Psychotherapeut führen zu dürfen.
Bei Kinder- und Jugendlichentherapeuten kann die Grundausbildung auch in einem Studium der Pädagogik oder der Sozialpädagogik bestehen.
Darauf müssen Sie achten:
Nur der Titel „Ärztlicher/ Psychologischer Psychotherapeut“ (sowie die Kurzform „Psychotherapeut“) ist geschützt. Personen, die nicht berechtigt sind, diesen Titel zu führen, dürfen in der Öffentlichkeit psychotherapeutische Behandlungen anbieten. Voraussetzung ist hierfür lediglich eine Zulassung nach dem „Heilpraktikergesetz“.

Sie gehen bei der Suche nach einem qualifizierten Behandler immer sicher, wenn Sie sich bei seriösen Einrichtungen: z.B. Krankenkassen oder der „Zentralen Informationsbörse Psychotherapie ZIP“ erkundigen. Scheuen Sie sich nicht, den Therapeuten Ihrer Wahl direkt nach seiner Ausbildung zu fragen. Jeder gut ausgebildete und zugelassene Therapeut gibt hierzu gerne Auskunft!

Wo finde ich einen Therapeuten?

  1. Gelbe Seiten unter den Rubriken
    ärztliche Psychotherapeuten
    psychologische Psychotherapeuten
    Psychotherapie und Psychoanalyse.
  2. Krankenkassen verfügen über Adresslisten der Vertragsbehandler; das sind psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, die von den Kassen anerkannt sind.
  3. Zentrale Informationsbörse Psychotherapie ZIP
    Die zentrale Informationsbörse Psychotherapie ist ein Service-Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung Köln. Es werden regelmäßig Aktualisierungsumfragen in kassenzugelassenen Psychotherapiepraxen durchgeführt und die Zahl freier Behandlungsplätze registriert. Unter der
    Telefonnummer 0221 – 7763-6711 erhalten Sie Auskunft darüber, welcher Psychotherapeut in Ihrer Nähe einen Behandlungsplatz frei hat.
  4. Buchempfehlung: Tillmann Moser „Kompass der Seele – Ein Leitfaden für Psychotherapiepatienten“ Suhrkamp Verlag

Wann und was zahlt die Krankenkasse?

In der ambulanten Versorgung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen leider nicht für alle Therapieverfahren die Kosten. Über die Krankenversicherungskarte können nur Verhaltenstherapien oder tiefenpsychologische Verfahren (Kurzzeittherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie) in Anspruch genommen werden. Andere Methoden wie z.B. die klientenzentrierte Gesprächstherapie, die Gestalttherapie, die systemische Familientherapie uvm. werden von den Kassen im Rahmen einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung nicht übernommen.
Wenn Sie bei einer AOK, einer Ersatz-, Betriebs-, Innungs- oder anderen gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben Sie grundsätzlich die freie Wahl unter allen so genannten Vertrags-Ärzten und Vertrags-Psychotherapeuten. Sie können daher einen kassenzugelassenen Ärztlichen Psychotherapeuten direkt aufsuchen. Auch einen Psychologischen Psychotherapeuten können Sie ohne Überweisung, d.h. ohne vorher einen Arzt konsultieren zu müssen, direkt aufsuchen. Der psychologische Psychotherapeut stellt eigenständig fest, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und führt die Behandlung ggf. eigenverantwortlich durch.
Mit der Inanspruchnahme des Psychotherapeuten sind für Sie bis auf die Vorlage Ihrer Krankenversicherungskarte keine besonderen Formalitäten verbunden. Das Antrags- und Genehmigungsverfahren wickelt der Psychotherapeut direkt mit Ihrer Krankenkasse ab. Die Kosten der (genehmigten) Behandlung werden von der gesetzlichen Krankenkasse in voller Höhe übernommen.
Die ersten fünf Behandlungsstunden werden als probatorische Sitzungen bezeichnet. In ihnen stellt der Psychotherapeut Diagnose und Indikation für eine Behandlung und informiert sich über relevante biographische Gegebenheiten. Außerdem sollen diese Sitzungen beiden Seiten Klarheit darüber vermitteln, ob eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden kann, was für den Behandlungserfolg unabdingbar ist.
Bei einem Ärztlichen Psychotherapeuten kann nach Ablauf der Probesitzungen sofort ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenversicherung gestellt werden; bei psychologischen Psychotherapeuten muss vorher noch ein Arzt, z.B. der Hausarzt eine ärztliche Untersuchung durchführen und den so genannten Konsiliarbericht erstellen, der dem Antrag beigefügt werden muss.

Darauf müssen Sie achten:
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Psychotherapie ausschließlich bei einer psychischen Störung von „Krankheitswert“, Lebens-, Ehe- oder Erziehungs- Beratung sowie die Behandlung von spirituellen oder Sinn-Krisen zählen nicht zu den Kassenleistungen.

Links zum Thema: